Zumindest alle einschlägigen Wetterberichte sind für diese Nacht der gleichen Meinung: Kein Sturm weit und breit.
Nur Wolken und leichte Niederschläge im Norden der Steiermark, die Nacht soll wolkenlos werden.
Unser Plan:
Freitag Nachmittag von der Ruine Hauenstein zum Gleinalmsattel.
Übernachtung im Winterquartier des Gleinalmschutzhauses.
Samstag früh Aufstieg auf den Speikkogel und eventuell über den Roßbachkogel wieder zurück zum Auto.
Auf Grund der zu erhoffenden gemütlichen und warmen Übernachtung lasse ich meine ISO-Matte zu Hause, statt dessen packe ich ein Stativ ein.
Abfahrt in Graz 15:30, Abmarsch nahe der Ruine Hauenstein um 16.40.
Den Abstecher zur Ruine lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Interessante Lage und sie wird gerade renoviert.
Nur frage ich mich noch immer wo denn die Straße über die Gleinalm verlaufen ist, die es damals zu überwachen galt?

Ruine Hauenstein
Am Boden liegt anfangs kein Schnee, dafür beginnt es immer wieder leicht zu schneien. Von der Sonne ist demgemäss keine Spur.
Je höher wir kommen, desto öfter müssen wir kurze Passagen durch Schnee stapfen. Aber nichts wirklich schlimmes.
Bald erreichen wir den Brendlstall, eine wunderschön gelegene Alm. Die Stimmung ist allerdings eher triest, immer wieder leichter Schneefall, die Wolken sind aber wenigstens über uns.

Kein Schwarzweissfoto - es ist einfach triest.
Nach etwa 3,5h und ca. 900hm erreichen wir gegen 20:00 das Gleinalm-Schutzhaus.

Gleinalmschutzhaus, der Speikkogel im Hintergrund.
Überrascht sind wir von der üppigen Ausstattung. Kleingehacktes Holz
neben dem Ofen, elektrisches Licht, jede Menge Geschirr und auch einige,
nicht abgelaufene, Nahrungsmittel liegen bereit.
Sofort stürze ich mich
auf den Ofen und bald wird es (zumindest glauben wir das) spürbar
wärmer. In Wirklichkeit schaffen wir es bis zur Bettruhe um 23:00 die
Temperatur von 6 Grad gerade mal auf etwa 10 zu erhöhen.
Aber wir haben ja unsere Schlafsäcke mit und Decken gäbs optional auch noch jede Menge.
Perfekt ausgerüstete Notunterkunft.
Nach verdienter Jause und heissem Kaffee gehts zur Zeitplanung für den Aufstieg.
Sonnenaufgang um 6:39 heisst dass wir um 6:15 oben sein sollten.
Nach längerem Hin und Her einigen wir uns die von Gert vorgeschlagene Aufstiegszeit von 40min zu verdoppeln, was 4:45 Abmarsch und demnach 4:30 Tagwache bedeutet.

Das Foto ist Schwarzweiss und soll Gerts Stimmung um 04:30 richtig in Szene setzen.
"Taaagwache", immer wieder ein Vergügen damit den Gert aus den Federn zu locken ;-)
Ich lasse es aber zu dass wir von meiner Reservezeit noch 15min verplempern. Und so starten wir erst um etwa 05:00.
Einige schwere Dinge wie Schlafsack und Jause lassen wir in der Hütte, wir kommen am Rückweg ja wieder vorbei.
Der Aufstieg erweist sich als weniger schwierig als befürchtet. Knietiefe Einbrüche sind eher selten und je höher desto weniger Schnee liegt.
Schon bald erkennen wir dass unsere Rechnung aufzugehen scheint. Der Hochnebel wird immer dünner, der Mond und ein paar helle Sterne erhellen uns den Aufstieg, Stirnlampen brauchen wir nur anfangs.
Aber wo Sonne da auch Schatten. Und wo Wolken verschwinden da auch Wind.
Demgemäss erhöht sich das Windaufkommen je näher wir dem Gipfel kommen. Aber immer noch erträglich.

Gert schon knapp vorm Gipfel.
So erreichen wir den Gipfel zur geplanten Zeit, sogar recht gemütlich.
Der Wind pfeift uns nun recht ordentlich um die Ohren. Gut dass ich das Stativ mit rauf geschleppt habe, damit brauch ich die Kamera nicht immer zu halten und die Knöpfe sind gross genug so dass ich nicht einmal die Handschuhe ausziehen muss.
Ein paar Rundumfotos zum Zeitvertreib bis zum grossen Showdown oder besser Showup.

Winke, winke, lieber Mond, danke für die Beleuchtung beim Aufstieg.

*gscht* weg da, die Sonne ist der heutige Star! ;-)
Es wird spannend.




Immer wieder beeindruckend wie der Glutmugel über den Horizont hervorkriecht und dabei den Himmel und die Umgebung in tolles, unwirkliches Licht eintauchen lässt.
Das obere Murtal (Richtung Bruck) liegt noch unterm Nebel.

Roßbachkogel im Vordergrund, dahinter die Koralm.
Interessant auch der Ausblick auf die Reichensteintraverse, eines meiner Wunschziele für 2010:

Eisenerzer Reichenstein (2. Gipfel von rechts) - Admonter Reichenstein, Sparafeld und Kaibling links.
Je höher die Sonne steigt desto mehr kommt der Wind auf. Es wird also eher noch kälter als wie erhofft wärmer. So brechen wir schön langsam auf und machen uns an den Abstieg zum Sattel.

Der starke Wind bläst den Schnee über den Kogel.
Bald gibt es auch wieder freien Blick auf den Gleinalmsattel.
Immer noch bläst der Wind Nebelschwaden vom oberen Murtal ins Untere.

Gleinalmsattel, rechts dahinter der Roßbachkogel.
Um 07:30 bei der Hütte angekommen, machen wir es uns auf den Bänken davor gemütlich und geniessen unser wohlverdientes Frühstück.
Erst gegen 9:00 können wir uns aufraffen das restliche Gepäck aus der Hütte zu holen und weiter zu gehen.
Allerdings nicht über den Roßbachkogel, irgendwie habe ich doch genug von der Schneestapferei und der Gedanke daran mit vollem Marschgepäck da raufzustapfen verleidet mir die Lust darauf vollends.

'Gert Akrobat'?
Dazu gibts eine kleine Hintergrundgeschichte:
Gestern wollte Gert genau auf diesen Stipfel steigen. Seine Schrittlänge war aber dann wider Erwarten doch zu kurz und so versank er im Loch knapp dahinter bis zur Hüfte im Schnee. Es war mir ein Vergnügen ihm die Hand zu reichen und ihn herauszuziehen ... kniend im Schnee damits mich nicht auch tiefer reinzieht.
Aber erfreulicherweise hat die Nacht den Schnee doch soweit gefestigt dass der Rückweg hier kaum mehr Probleme macht.

Brendlstall im Sonnenlicht.
Gert vorm Brendlstall: "Wenn ma schon nicht übern Roßbachkogel gehen, reklamier ich hier eine Sonnenbadpause".
Kein Problem, nach dem 40 Minuten dauernden allerhärtesten Abstieg brauchma sowas dringendst ;-)
Lange geniessen wir die Sonne, die traumhafte Aussicht, sowie das gemütliche Plätschern der Dachrinne.
Die drohende Dachlawine oberhalb meines ausgesuchten Sitzplatzes ignoriere ich.
Erst als Gert mit meiner Kamera anfängt zu 'spielen' werde ich unruhig und dränge auf baldigen Aufbruch ;-)

Mhhhh

Mit diesen halben Schneeschuhen geht es sich leicht ;-)
Nach einer guten Stunde erreichen wir den Parkplatz.
Tagesleistung: 7 Stunden (Geh)zeit für 10km und heissen 490hm im Aufstieg ... sollte ich hier eigentlich besser nicht erwähnen?
Ich kann mich nur wiederholen: so ein Sonnenaufgang auf einem Gipfel ist einfach etwas das man erleben sollte.
Und wenn man es mal erlebt hat, wird man süchtig danach...
Danke an Gert für die schöne Runde, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin was er so darüber zu schreiben hat ;-)
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