Murkraftwerke - zum Weinen?

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Samstag, 13. März 2010

Von orotl in Fahrrad, Sonstiges

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Tags für diesen Artikel: fahrrad, graz, mur
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Murkraftwerke - zum Weinen?

Oder doch nicht? 

Ich war mir nicht wirklich sicher was ich davon halten soll.
Hat sich aber geändert ;-)

Heute war ich zufällig in der Gegend, da musste ich mich doch glatt wieder auf der Baustelle umsehen...


Warum zum Weinen? Naja, immerhin wird dort aktuell gerade eine meiner Lieblingsradrouten 'zur Sau' gemacht.

Links nahe der Mur den Trampelpfad runter bis Fernitz und rechts, den schön breiten Forstweg wieder zurück. 
Oder auch etwas weiter bis Wildon, wobei man hier streckenweise die Mur-Nähe verlassen musste. Dafür waren aber auch die Offroad-Teile heftiger und einige 'Fahrradtrage-Aktionen' inklusive.
Und das schöne: hier waren faktisch nie anderen Radfahrer anzutreffen (Die tummeln sich ja brav auf dem nahen und supertollem Asphalt-R2)

Als ich von diesem Projekt erfahren habe war ich im ersten Augenblick schwer enttäuscht.

1) Muss das wirklich sein?
2) Brauchen wir solche Kraftwerke?
3) Brauchen wir sie gerade hier?
4) Die schönen Murauen, müssen die sterben?

Nun, es dauerte einige Zeit um die Fragen für mich zu beantworten.

Ich fange mit Frage 4) an:

Vor allem der Begriff Murauen beschäftigte mich doch etwas intensiver.
Wo sind die eigentlich?
Schauen wir mal genauer: Die Mur selbst fliesst in ihrem engen schnurgeradem Bett, links und rechts von Dämmen flankiert.
Das etwas naturnähere Gelände aka Murauen befindet sich dahinter, mehr als 2m über dem Wasserspiegel.

Was ist nun daran eine Au? Und was ist daran eine Murau?

Als ich einmal zufälligerweise über historisches Kartenmaterial (Josephinische Karten von 1756-1763) stolperte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.


Die Naturnahe Mur ist schon lange vorbei, und hat gar nichts, wirklich gar nichts mit den aktuellen Gegebenheiten zu tun.
Das wurde schon vor unzähligen Jahrzehnten versemmelt und ist nie mehr wieder herzustellen.

Wenn also der aktuelle Zustand nichts mehr mit naturnah zu tun hat ... kanns eigentlich nicht mehr schlimmer werden, oder?

Zumindest wenn die Vorhaben der Energie Steiermark wirklich umgesetzt werden.

Hier 2 Dokumente aus obriger Quelle (falls sie dort verschwinden):

Präsentationsfolder (pdf, 4,8 MB)
Fachgebietsübergreifender Maßnahmenkatalog (pdf, 3,8 MB)

Auch wenn die beiden PDFs im Prinzip Hochglanz-Werbepapierer sind, so hört es sich zumindest aus meiner Sicht nicht sooo schlecht an.


Das war also Frage 4), die anderen kann ich schneller beantworten:

1) Muss das wirklich sein?

Da wir keine Atomkraftwerke wollen und da wir nicht stromsparen wollen/können: definitiv ja.

2) Brauchen wir solche Kraftwerke?

Solange die anderen regenerativen Energiequellen noch nicht so weit entwicklelt und verbreitet sind dass wir davon zehren können: definitiv ja.

3) Brauchen wir sie gerade hier?

Wo sonst? Auch wenn die Mur schon von oben bis unten 'Verkraftwerkt' ist ... welche Alternativen haben wir?
Alle kleinen Bäche in noch wirklich unberührten Gegenden aufstauen und ausnutzen?

Dann doch lieber die sowieso schon vermurkste Mur.


Genug gequasselt, jetzt noch ein paar Aufnahmen von meiner heutigen Tour:

Sofort nachdem man in Feldkirchen unter der Murbrücke durch ist ist das volle Ausmaß der Arbeiten erkenntlich.
Links und rechts gute 20-50m Kahlschlag und superbreite Schotterstrasse.


Blick retour zur Autobahnbrücke in Feldkirchen.

Schon nach wenigen hunder Meter erkenne ich in der Ferne eine Baustelle. Unmittelbar vor dem Klärwerk Gössendorf.
Stimmt mich bedenklich, früher hat man es kaum gesehen, nichteinmal wenn man auf der gleichen Höhe am andern Ufer war.


Baustelle vor dem Klärwerk.

Kaum komme ich näher stelle ich erstaunt fest dass man der Mur eine schicke Kurve verpasst hat.
Und dort wo das Bachbett früher war gibts einen runden Wall - da soll das Kraftwerk wohl hinkommen.


Hoffentlich verstehen die Planer das nicht als 'naturnah'

Hier noch ein Bild aus der Luft im Winter (Original von Energie Steiermark).


Heute ist die Umgehung links schon fertig, der erkenntliche halbrunde Wall geht ganz zum rechten Ufer.



Arbeiter am Wall, auch Samstags.



Das Riesentrumm soll in die Erde gerammt werden? Schwer vorstellbar.


Blick zurück, rechts das Klärwerk Gössendorf.

Gabs hier eine Aubesetzung? Das in den Bäumen hängende Zelt würde zumindest darauf hindeuten.


Unbequemer Zeltplatz?



Warten auf den Auftakt?


Jaaa, ich weiss ... da darf ich nicht fahren, aber deswegen gleich abschleppen?

Über die Brücke in Fernitz bin ich schon öftgers gefahren, immer schon habe ich mich gefragt was sie da auf beiden Seiten der Mur gebaut haben.
Ok, seit heute ist es mir klar.


Brücke in Fernitz, links und rechts gibts eine Unterführung für die Baufahrzeuge.


Damit sich nur ja keiner verirrt!


Ab Fernitz Richtung Süden geht die Baustelle nahtlos weiter.

Das Wehr mit der kleinen Brücke habe ich noch in guter Erinnerung. Sie war abgesperrt und ich musste das Fahrrad immer drüberheben.


Kleine Brücke mit Umfahrung.


Schon etwas bedrohlich ;-)


Monstermaschinen im Wochenendschlaf.

Am linken Murufer ist gerade ein Kanal mit Maschinenhaus in Bau, soll hier das Wasser durchschiessen?


Kanal Richtung Süden.


Und Kanal Richtung Norden.


Fundament für den Kanal.

Trotz all der imposanten Maschinen und Baustellen, mache ich mich doch etwas betrübt auf den Heimweg.

Ich denke ich werde hier doch noch öfter vorbeischauen müssen...


 

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Hi orotl, ich würde die Fragen etwas anders beantworten... 1). Muss das wirklich sein? Nein! Murkraftwerke sind nicht wirklich wirtschaftlich. Sie rentieren sich nur dank extremen Subventionen (= Steuergeldern). In den Monaten in denen am meisten Strom gebraucht wird (Winter) liefern sie am wenigsten Strom (Niedrigwasser). Im Gegenzug werden Lebensräume von stark gefährdeten Tieraten wie z.B. Huchen oder Würfelnatter unwiederbringlich zerstört. Diese Arten sind nebenbei europaweit geschützt un der Erhaltungszustand darf sich NICHT verschlechtern (das vergisst man aber schnell, wenn man ein paar Euros verdienen kann). Die einzigen Alternativen sind: 1. Sonnenenergienutzung radikal vorantreiben und nutzen (mit der Kohle was dem Steuerzahler drei Murkraftwerke kosten, kann man da einen ganzen Wirtschaftszweig ankurbeln und ein Vielfaches an langfriestigen Arbeitsplätzen schaffen, was die Wasserkraftwerke bringen). Bei Joaneum-Reserach läuft derzeit ein Projekt. Wenn ich mich recht erinnere, haben die ein Zwischenergebnis bekannt gegeben, in dem es heißt, dass alleion die Dächer in Graz reichen würden, um ein Murkraftwerk einzusparen (ganz ohne Vernichtung von Lebensräumen). 2. Stromsparen: ein schluer Mann hat ausgerechnet, dass man ein Murkraftwerk einsparen könnte, wenn Alle in Österreich bei ihren Geräten nicht die Standby-Funktion nutzen würden, sondern die Geräte ganz ausschalten.
#1 Waldläufer am 10.08.2010 18:44 (Antwort)
2.) Brauchen wir solche Kraftwerke? Nein! Siehe Antwort zur Frage 1.) Österreich produziert genug Strom.
#2 Waldläufer am 10.08.2010 18:46 (Antwort)
3.) Brauchen wir diese Kraftwerke gerade hier? Nein! In der Steiermark ist die sinnvolle Nutzung der Wasserkraft ausgeschöpft. Wasserkraftwerke, die jetzt noch gebaut werden, dienen im Prinzip nur noch der Gewinnmaximierung Einzelner (Subventionen lassen grüßen) oder dienen als Abschreibungsobjekte großer Konzerne. 4.) Die schönen Murauen, müssen die sterben? Die Murauen im jetzigen Zustand sind bereits stark geschädigt. Neophyten wie Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich und Robinien lassen angestammten Auwaldpflanzen kaum noch Platz. Der Murauwald südlich von Graz ist im Prinzip von diesen sich extrem invasiv Neophyten verseucht und hat nur noch einen geringen Auwaldcharakter. Zudem fehlt die jährliche Überschwemmung im Wald. Man könnte dort aber leichter einen halbwegs natürlichen Auwald wiederherstellen, als ein Kraftwerk in die Mur zu basteln - nur bringt das kein Geld...
#3 Waldläufer am 10.08.2010 18:55 (Antwort)

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