"3:45 Abmarsch von der Weinebene (beim Parkplatz in der letzten Serpentine südlich des Sattels, E15 0.757 N46 49.521) über Bärntalhütte, Hühnerstütze zum Gipfel. Da müsste alles ausgetreten und/oder abgeblasen sein. Also ohne Schneeschuhe (hab ich eh keine)"
So lautet
Gerts Rundrufmail am Samstag vormittag.
Schon lange 'nervt' er mich mit seinen schönen Sonnenaufgangswanderungen.
Am Samstag wieder mal. Allerdings muss ich am Abend noch länger arbeiten und will eigentlich nicht mit. Und wenn ich nicht knapp vor Mitternacht auf Facebook ein tolles Foto von Hamann (8Uhr morgens am Schöckl) gesehen hätte, wärs auch dabei geblieben.
Insgeheim hoffe ich aber trotzdem dass Gert erst gar nicht anruft...
Tut er aber - und hat wohl ebenso insgeheim gehofft dass ich nicht mitgehen werde.
'A blede Gschicht'.
So gehts also um etwa 2:50 los Richtung Weinebene. Schon die letzten paar 100m vor dem Parkplatz überraschen uns ein paar Windböen, noch denken wir uns aber nichts dabei. Meine Ausrüstung ist ob der doch eher kurzen Vorbereitungszeit eher rudimentär, was sich später noch als, sagen wir mal, leicht Nachteilig erweisen sollte.
Anfangs entlang eines gut ausgetretenen bzw. plattgewalzten Weg Richtung Bärntalhütte ist noch alles eitle Wonne. Flott gehts dahin, immer dem Vollmond entgegen.

Schöner Weg Richtung Vollmond.
Als Gert allerdings dann irgendwann im rechten Winkel vom Weg abzweigt und 'gschreams' den Hügel rauf steuert, frag ich doch mal kurz nach ob er das ernst meint?
Dem Aufstieg würde ich im Sommer schon skeptisch gegenüberstehen, aber hier und jetzt, im Finsteren und bei etwa 1m Schneelage? Mit meiner Ausrüstung?
Doch ja, er meints wirklich ernst, 'da gibts einen Weg'. Stolz präsentiert er mir dann auch zwischendurch eine Markierung - auf einem Zaunpfahl - der gerade noch aus der Schneedecke rausragt - umpf.
Naja, rauf gehts dann so wie es bei solchen Bedingungen und mit der 'passenden' Ausrüstung zu erwarten ist:
Entweder bei jedem Schritt knietief im Schnee einbrechen und wieder rauskrabbeln. Oder wenn die Schneedecke wider erwarten doch mal hält, bei jedem Schritt mindestens einen halben wieder verlieren weil ich zurückrutsche.
Aber gut dass ich einen Scout vor mir habe, das hilft ungemein:
Wenn ich sehe dass Gert vor mir knöcheltief einsinkt weiss ich dass es bei mir knietief wird.
Und wenn er tiefer einsackt - ja dann hole ich immer gleich vorsichtshalber tief Luft...
Mehr auf allen Vieren als als Zweibeiner krabble ich rauf.
'Oben am Grat wirds besser, da hat der Wind alles weggeblasen' - Gerts Worte zwischendurch. Hehe, wie Recht er hat weiss er allerdings da noch nicht.
Endlich am Grat angekommen war tatächlich kaum mehr Schnee.
'Xynthia', ein Sturm über Spanien und Frankreich hat wohl gemeint auch uns begrüssen zu wollen. Lieb von ihr, trotzdem hält sich meine Begeisterung in Grenzen.
Gefühlte -20 Grad, die nasse Hose und die Handschuhe frieren schlagartig ein.
Ich spüre deutlich wie sich innen das Eis sanft und liebevoll um meine Finger schmiegt.

Gert oben am Grat vor unserer Umkehr.
(100kmh Wind und 1sec Belichtungszeit, man möge mir bitte die Qualität verzeihen)
Nein, nicht mit der Ausrüstung, das würde nie und nimmer gut gehen.
Mit einer Schneeschlacht bei gemässigten Temperaturen hab ich gerechnet, nicht aber mit einem derart massiven Sturm. Also Abbruch und wieder runter.
Kurz verlieren wir den eigentlichen 'Weg' (sic) und geraten in eine Gegend wo hüft- bis bauchtiefe Einbrüche auf uns lauern. Wieder brauchts auch die Arme um weiterzukommen (so nicht auch die bis zu den Schultern dabei versinken). Endlich kommen wir wieder beim eigentlichen Abhang an. Meine Hose ist eh schon total nass, also hinsetzten und am Allerwertesten runterrutschen, das ist deutlich einfacher und macht vor allem riesigen Spass.
Den Sonnenaufgang erleben wir dann am Rückweg im Auto. Auch mit Blick zurück zum Gipfel, inklusive deutlich erkennbarem Schneesturm.
Nicht ganz das was wir uns erhofften, aber Spass hats trotzdem gemacht.
Kommentare